Der Name führt in die Irre: Ein französischer Balkon ist kein Balkon. Man kann nicht darauf treten, es gibt keine Austrittsfläche und keine Brüstung, die man betreten könnte. Gemeint ist ein Geländer, das direkt vor einer bodentiefen Tür oder einem bodentiefen Fenster sitzt – auf der Fassade oder in der Laibung befestigt.
Der Sinn dahinter: Sie bekommen die volle Öffnung, das Licht und die freie Sicht eines Balkontors, ohne den Platz und den baulichen Aufwand eines echten Balkons – und trotzdem kann niemand hinausfallen.
Warum es ihn überhaupt gibt
Bodentiefe Fenster sind seit Jahren beliebt, und das aus guten Gründen: Sie bringen spürbar mehr Tageslicht ins Zimmer, lassen sich zum Lüften weit öffnen und lassen Räume größer wirken. Sobald ein solches Fenster aber geöffnet werden kann und dahinter ein Höhenunterschied liegt, entsteht eine Absturzstelle – und die muss gesichert werden.
Genau diese Lücke füllt der französische Balkon. Er ist die schlankste Form der Absturzsicherung: sichtbar wenig, funktional aber genau das, was gebraucht wird.
Welche Regeln gelten
Absturzsicherungen sind kein Geschmacksthema, sondern geregelt – und zwar in den Landesbauordnungen. Das ist der Punkt, an dem wir bewusst nicht mit einer bundesweit gültigen Zahl aufwarten: Die Anforderungen an die Höhe hängen vom Bundesland und von der Absturzhöhe ab, und ab einer bestimmten Höhe über Gelände gelten strengere Werte als darunter.
Weitere Punkte, die je nach Bauordnung und Nutzung eine Rolle spielen:
- der zulässige Abstand zwischen den Stäben – er soll verhindern, dass ein Kind hindurchpasst,
- die Frage der Kletterbarkeit: horizontale Elemente in bestimmten Höhen können in Wohngebäuden mit Kindern problematisch sein, weil sie eine Leiter bilden,
- die Lasten, die das Geländer aufnehmen muss, und damit die Anforderungen an die Befestigung.
Praktisch heißt das: Fragen Sie für Ihr Bauvorhaben die konkret geltenden Werte ab – beim Architekten, beim Bauträger oder bei der zuständigen Bauaufsicht. Bei einem Neubau steht es meistens in den Unterlagen. Wer im Bestand nachrüstet, erkundigt sich am besten vorher, statt hinterher umzubauen.
Montage: Laibung oder Fassade
Für die Befestigung gibt es zwei Wege, und sie sehen unterschiedlich aus:
- In der Laibung sitzt das Geländer innerhalb der Öffnung, seitlich verschraubt. Es trägt kaum auf und wirkt sehr aufgeräumt – die Fassade bleibt glatt.
- Auf der Fassade wird es vor die Öffnung gesetzt und überlappt das Mauerwerk. Das ist bei schwierigen Laibungen oft die stabilere Lösung, weil die Befestigungspunkte frei wählbar sind.
In beiden Fällen gilt dasselbe wie bei jedem angeschraubten Sicherheitsbauteil: Die Last muss ins tragende Mauerwerk, nicht in den Fensterrahmen und nicht in eine Dämmschicht. Bei gedämmten Fassaden braucht es entsprechend lange Verankerungen und eine saubere Abdichtung der Durchdringung.
Material und Optik
Am häufigsten sind feuerverzinkter Stahl und Edelstahl. Verzinkter Stahl ist unempfindlich, günstiger und lässt sich in jedem RAL-Ton beschichten – meistens abgestimmt auf die Fensterrahmen, was optisch am ruhigsten wirkt. Edelstahl bleibt hell und technisch und ist vor allem in Küstennähe im Vorteil.
Bei der Gestaltung entscheidet vor allem die Stabrichtung: Senkrechte Stäbe sind der Klassiker und aus Sicht der Kletterbarkeit unkritisch. Waagerechte Elemente wirken moderner, sind aber der Punkt, an dem sich der Blick in die Bauordnung besonders lohnt.
Unsere französischen Balkone fertigen wir nach Maß in feuerverzinktem Stahl und in Edelstahl, auf Wunsch farbbeschichtet. Auch hier gilt: Messen Sie an mehreren Stellen und halten Sie fest, ob das Geländer in die Laibung oder davor soll – danach richtet sich das Maß.