Ein neu geliefertes verzinktes Bauteil, und darauf sitzen weiße, pulvrige oder leicht schaumig wirkende Flecken. Der erste Gedanke ist fast immer derselbe: Da stimmt etwas nicht. Tatsächlich handelt es sich um Weißrost – und der ist in den meisten Fällen ein Schönheitsfehler, kein Schaden.
Was Weißrost ist
Trotz des Namens hat Weißrost mit dem braunen Rost am Stahl nichts zu tun. Er besteht aus Zinkoxid und Zinkhydroxid, also aus Umwandlungsprodukten der Zinkschicht selbst. Der Stahl darunter ist davon unberührt.
Damit eine Zinkoberfläche dauerhaft widerstandsfähig wird, muss sie an der Luft eine feste, festhaftende Deckschicht ausbilden – die sogenannte Zinkpatina. Dafür braucht sie Kohlendioxid aus der Luft und Zeit. Weißrost entsteht genau dann, wenn ihr beides fehlt.
Wie er entsteht
Der klassische Fall: frisch verzinkte Teile werden dicht gestapelt, in Folie gewickelt oder feucht abgedeckt gelagert. Zwischen den Flächen bildet sich Kondenswasser, Luft kommt nicht heran. Das Zink reagiert dann mit dem Wasser statt mit der Luft – und das Ergebnis ist die lockere weiße Schicht statt der festen Patina.
Deshalb tritt Weißrost fast ausschließlich an neuen Bauteilen auf, oft nach Transport oder Zwischenlagerung. An einem Gitter, das seit zwei Jahren an der Wand hängt, werden Sie ihn kaum finden: Dort hat die Luft freien Zugang.
Ist das ein Mangel?
Maßgeblich für feuerverzinkte Bauteile ist die Norm DIN EN ISO 1461. Sie stellt auf die Zinkschichtdicke ab, nicht auf ein makelloses Aussehen. Solange die geforderte Schichtdicke vorhanden ist und die Oberfläche ihre Funktion erfüllt, ist leichter Weißrost kein Grund zur Zurückweisung. Auch Farbunterschiede, matte und glänzende Stellen oder eine leicht raue Struktur gehören zum Verfahren und sind normal – eine feuerverzinkte Fläche ist keine lackierte Fläche.
Anders sieht es aus, wenn der Belag dick und grobkrümelig ist und sich großflächig abtragen lässt. Dann kann tatsächlich so viel Zink verbraucht worden sein, dass die Schutzwirkung leidet. Das ist selten, aber es ist der Punkt, an dem sich eine Nachfrage lohnt.
Was Sie tun können
- Abwarten. Leichter Weißrost verwittert im Freien von selbst. Sobald das Bauteil hängt und Luft bekommt, bildet sich die Patina nach, die Flecken verlieren sich über die Monate.
- Trocken abbürsten mit einer weichen Kunststoffbürste, wenn es schneller gehen soll. Keine Stahlbürste – die trägt Zink ab und hinterlässt Eisenpartikel, die später selbst rosten.
- Keine Säuren, keine scharfen Reiniger. Sie lösen Zink.
- Richtig lagern, wenn das Bauteil nicht sofort montiert wird: schräg aufgestellt oder mit Hölzern auf Abstand gelegt, überdacht, aber luftig. Nicht in Folie einschlagen, nicht flach auf den Rasen legen.
Und bei beschichteten Bauteilen?
Wenn auf die Verzinkung noch eine Farbbeschichtung kommt, stellt sich die Frage nicht mehr: Die Zinkschicht liegt dann unter der Farbe und hat mit der Raumluft keinen Kontakt. Weißrost ist also ausschließlich ein Thema bei blank verzinkten Oberflächen.
Kurz gesagt: Weiße Flecken auf einem neuen verzinkten Gitter sind meistens ein Zeichen dafür, dass es nach dem Verzinken feucht und dicht gelagert wurde – nicht dafür, dass etwas mit dem Material nicht stimmt. Wenn Sie unsicher sind, fotografieren Sie die Stelle und fragen Sie nach, bevor Sie selbst daran herumarbeiten.