Wer ein Bauteil farbig bestellt, stößt sofort auf Bezeichnungen wie RAL 7016 oder DB 703. Das wirkt technisch, ist aber ein durchdachtes System – und wenn man es einmal verstanden hat, wird die Farbwahl deutlich einfacher.
Wofür RAL steht
Die RAL-Farbtafel gibt es seit 1927. Ihr Zweck ist simpel: Farben eindeutig benennen, ohne sie zeigen zu müssen. Wenn Sie RAL 6005 bestellen, weiß jeder Beschichter in Deutschland, welcher Grünton gemeint ist. „Dunkelgrün“ weiß niemand.
Die vierstelligen Nummern gehören zur Reihe RAL Classic, und die erste Ziffer verrät die Farbgruppe:
- 1 – Gelb • 2 – Orange • 3 – Rot • 4 – Violett
- 5 – Blau • 6 – Grün • 7 – Grau • 8 – Braun
- 9 – Weiß- und Schwarztöne
RAL 7016 ist also ein Grau, RAL 6005 ein Grün, RAL 9005 ein Schwarz. Die restlichen Ziffern nummerieren die Töne innerhalb der Gruppe und sagen nichts über Helligkeit oder Reihenfolge aus.
Die Töne, die am Haus ständig vorkommen
- RAL 7016 – Anthrazitgrau. Der Standard der letzten Jahre. Passt zu grauen Fensterrahmen und ist an Neubauten allgegenwärtig.
- RAL 9005 – Tiefschwarz. Klar und zurückhaltend, gern an Altbauten und bei schmiedeeiserner Optik.
- RAL 6005 – Moosgrün. Der klassische Ton für Gitter, Tore und Zäune, wirkt an Grün und Klinker sehr ruhig.
- RAL 8017 – Schokoladenbraun. Der Partner zu braunen Holzfenstern.
- RAL 9016 – Verkehrsweiß. Für weiße Fensterrahmen die naheliegende Wahl.
Was DB-Farben sind
Neben RAL begegnen einem am Bau die DB-Farbtöne, allen voran DB 703. Sie stammen ursprünglich aus dem Bahnbereich und sind sogenannte Eisenglimmer-Töne: In der Beschichtung stecken feine Metallplättchen, die dem Ton eine leicht schimmernde, gesprenkelte Tiefe geben. Aus der Nähe sieht man die Struktur, aus einigen Metern Entfernung wirkt die Fläche als edles Dunkelgrau.
Eisenglimmer verzeiht auch mehr: Leichte Gebrauchsspuren und Staub fallen auf der strukturierten Fläche weniger auf als auf einem glatten Uniton. Dafür sind diese Farben in der Herstellung aufwändiger und deshalb etwas teurer als RAL.
Warum der Bildschirm lügt
Eine RAL-Nummer im Netz anzuschauen und danach zu entscheiden, geht fast immer schief. Jeder Monitor stellt Farben anders dar, und die Umgebungshelligkeit verschiebt den Eindruck zusätzlich. Dazu kommt der Glanzgrad: Derselbe Farbton wirkt matt völlig anders als glänzend – matte Flächen erscheinen dunkler und weicher, glänzende heller und härter.
Zwei praktische Wege führen zuverlässiger zum Ziel:
- Fragen Sie die vorhandene Nummer ab. Fensterbauer, Türenhersteller und Dachdecker notieren den RAL-Ton in ihren Unterlagen. Wenn Sie den Ton Ihrer Fenster kennen, können Sie ihn exakt aufnehmen – das wirkt an der Fassade ruhiger als eine „ungefähr passende“ Farbe.
- Schauen Sie sich den Ton draußen an. RAL-Fächer gibt es im Farben- und Baustoffhandel. Tageslicht entscheidet, nicht die Lampe im Wohnzimmer.
Wie sich der Aufpreis zusammensetzt
Bei uns wird ein farbiges Bauteil zuerst feuerverzinkt und danach beschichtet. Der Korrosionsschutz bleibt also vollständig erhalten, die Farbe kommt obendrauf – diese Kombination hält in aller Regel länger als jede Schicht für sich.
Gerechnet wird nach der beschichteten Fläche, nicht nach dem Farbton: Ein Moosgrün kostet so viel wie ein Anthrazit. Nur die DB-Töne mit Eisenglimmer liegen etwas höher, weil sie aufwändiger sind.
Dazu kommt ein Mindestpreis, und der überrascht manchen. Der Grund ist einfach: Ein kleines Kellerfenstergitter zu beschichten kostet fast dasselbe wie ein großes. Reinigen, Aufhängen, Rüsten und Ofenzeit fallen unabhängig von der Größe an – nur der Lack wird weniger. Bei kleinen Bauteilen sieht der Aufpreis deshalb wie eine Pauschale aus, obwohl er gerechnet ist. Den genauen Betrag für Ihr Maß zeigt Ihnen der Konfigurator, sobald Sie eine Farbe auswählen.
Und ein Punkt, den man beim Planen mitdenken sollte: Ein beschichtetes Bauteil braucht einen Arbeitsgang mehr als ein blank verzinktes und ist dadurch später fertig. Wer einen Termin im Blick hat, sollte das einkalkulieren.